KURZKRITIKEN ZUM 20. TREFF JUNGES THEATER IN THÜRINGEN

Ganz subjektive Eindrücke zu den sechs Inszenierungen des 20. Treffs Junges Theater in Thüringen in Reihenfolge des Festivalspielplans.

BOMBENFRAU/ theater der stadt des art der stadt e.V. Gotha

Bombenfrau03
Bombenfrau03 / Foto: Dr. Bernd Seydel

In intensiver Form studierte die Schauspielerin Denken und Handeln einer Bombenfrau in diesem Ein-Personen-Stück. Es gelang ihr, trotz der Monologform, die Zuschauer zu fesseln und sie in das Auf und Ab ihrer Gefühle mitzunehmen. Das Stück brachte das Publikum zum Nachdenken, denn was würde man selbst tun, wenn man noch zwölf Minuten und sechsunddreißig Sekunden hätte, oder wäre es nicht auch möglich, dass eine Bombenfrau gerade jetzt mit im Zuschauerraum sitzt? Das beeindruckende schauspielerische Talent gepaart mit dem unglaublichen Bühnenbild und dem Inhalt des Stückes passte einfach zusammen und ließ mir keinen Moment der Langeweile.

Weitere Bilder der Bombenfrau

SP@AM / TheaterFABRIK Gera

Spam / Foto M. Baier
sp@m / Foto M. Baier

Eine vielversprechende Eröffnung, bei der das Stück Strich für Strich graphisch geladen wurde. Das war faszinierend und baute Spannung auf. Die große Anzahl an Publikumseinbezügen, brachte mich jedoch nicht dazu, dauerhaft aufmerksam folgen zu können, sondern verwirrte und brachte mich an vielen Stellen aus dem Geschehen heraus. Durch die collagenartigen Szenen verlor ich den roten Faden und wurde lediglich durch witzige Momente gut Unterhalten. Den Schauspielern selber konnte man anmerken, dass sie großes improvisatorisches Talent besitzen, welches sie zugunsten der Situationskomik gut einbrachten.

Weitere Bilder von Sp@m

BAUERN STERBEN / Jugendensemble des „Theater am Markt“

Bauernsterben / Foto M. Baier

Ein obszönes Stück, eine junge Gruppe, viel Mut. Die Inszenierung war durchweg ein Schock. Die Bilder die es hervorbrachten waren einfach nur abstoßend. Comichaft, mit bunten, spielzeugartigen Mitteln, übertrug das Ensemble die gewaltreichen Szenen und nahm ihnen dadurch, von ihrer Seite aus, die Ernsthaftigkeit des kritischen Inhalts. Meiner Meinung nach war das Stück für diese Altersgruppe zu gewagt und überforderte nicht nur die Zuschauer. Für den Treff an sich, die Farbgruppengespräche und das Plenum jedoch bot es reichlich Zündstoff.

Weitere Bilder zum Bauernsterben

VIRTUAL IDENTITY PROJEKT / Theaterjugendclub des DNT Weimar

V.I.P. / Foto M. Baier

Besonders einprägsam war das statische Bühnenbild, welches auch in der Spielweise kaum durchbrochen wurde. Manche der Chat-Dialoge waren sehr humorvoll angelegt und auch die Gespräche im hinteren Teil der Bühne, brachten mich zum Schmunzeln. Jedoch wäre das Ensemble, meiner Meinung nach, dazu in der Lage, die Thematik kritischer zu beäugen und in deutlicheren, schauspielerischen Aussagen dem Publikum näher zu bringen. Das Können der jungen Darsteller war deutlich sichtbar, konnte aber, eingezwängt in dem statischen Stück, nicht hervorgebracht werden.

Weitere Bilder zu V.I.P.

LUDVIG / TheaterFABRIK Gera

Ludvig / Foto: Theaterfabrik Gera

Gefühlvoll, sinnlich und liebevoll. So waren nicht nur die Rollen angelegt, sondern so wurde auch mit dem Thema Inzest und Geschwisterliebe umgegangen. Das Stück hat mich sehr berührt. Die Darstellung, die Musik, die Requisiten, alles passte zusammen und zauberte eine Geschichte auf die Bühne in der ich versinken konnte, in die ich mich einlassen konnte. Das ich einmal die Beweggründe von Inzest nachvollziehen und gänzlich akzeptieren könnte, hätte ich vorher nicht gedacht. Die schauspielerischen Leistungen waren groß, die Inszenierung klasse.

Weitere Bilder von Ludvig

HIJO DE LA LUNA – EIN TANZTHEATER / D.A.S. Jugendtheater Weimar

Hijo / Foto Kathrin Schuchardt

Das Tanztheater zum Abschluss, war ein guter Mix aus Witz und Ernst. Es konnte gelacht werden, aber auch die tragische Momente wurden deutlich ausformuliert. In tänzerischen Bildern, mit lediglich einem Satz, wurde gut nachvollziehbar die spanische Legende auf die Bühne gebracht. Orte, Gefühle, Handlungen, alles wurde performt und war trotzdem so deutlich, dass ich an keiner Stelle den roten Faden verlor. Die tänzerischen Leistungen, waren zwar nicht vergleichbar mit denen professioneller Tänzer, für Jugendliche mit wenig bis gar keiner Tanzerfahrung im vorhinein der Proben jedoch, gibt dies Anlass zum Respekt und Lob.

Weitere Bilder von Hijo de la Luna

[Autorin: Imke Bachmann]

2 Kommentare

  1. Super, endlich ein guter Post, vielen Dank. Muss man sich nochmal in Ruhe durchlesen. Generell finde ich die Seite leicht zu verstehen und bequem zu lesen.

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