DAS GEHEIMNIS DER DINGE – EIN OHRENSESSELGESCHICHTENSTÜCK

EIN THEATERBESUCH. „DAS GEHEIMNIS DER DINGE“ im theater der stadt Gotha

Eine Konvolut der Dinge: abgestellte und vergessene Möbel, Trödel und Nippes, Erinnerungen an die guten alten Zeiten – wir befinden uns nicht im Theater, sondern auf einem Dachboden. Alter Hausrat, Koffer, Milchkannen, Körbe, verhangene Schränke und Stühle, knarrende Dielen, Spinnweben und Staub haben sich ausgebreitet, eine Authentizität welche mich unwillkürlich den Saum des Mantels abklopfen läßt, nachdem ich als Gast des theaters der stadt aus Gotha einen Platz im Publikum und hier im Giebel des Daches eingenommen habe.

Eine Eigenproduktion ist die traditionelle Generationen-Weihnachtsinszenierung des Ensembles in diesem Jahr geworden. Ein Stück über die innere Seele der Dinge, über das Stöbern in der Vergangenheit, über die Kindheit und auch das Ende der Tage. Wir werden mitgenommen in die Abstellkammer der mobilen Altlasten, der Erinnerungsstücke und der Seelen und Geheimnisse die in diesen Dingen – oder genauer durch uns in ihnen – verweilen.

Entstanden ist ein Theaterstück als sentimentale Reminiszenz an den ideellen und inneren Wert der Dinge, an die rechte Zeit und an die Familie. Es gibt wohl wenig gleichsam Passenderes zur Weihnachtszeit. Die Inszenierung und deren Figuren sind äußerst akribisch, phantasievoll und intelligent angelegt. Die Kinder, die den Dachboden des verstorbenen Großvaters aufräumen sollen, begegnen ihren eigenen Erinnerungen und den Bewohnern des Dachbodens, die von Geschichten, Gefühlen, von Ängsten wie auch vom Lachen oder auch nur vom Staub leben. Herr und Frau Öhrsel, Irrfluseln, Schwarzschmollen, Frau Lampe (deren Name mir leider schon wieder erloschen ist) und ein Zeitwiesel – sie sind die Bewohner des Dachbodens und Teil der Dinge und der phantasievollen Welt die in diesem Stück entworfen wird. Die Ausstattung, Maske und die Kostüme der Figuren sind äußerst beeindruckend und detailverliebt. Die Phantasie, die hier entwickelt und die künstlerische Umsetzung die hier erreicht wurde, erlaubt die wohlwollende Übertreibung: hier ist ein Theaterstück im Stile eines Jim Henson produziert worden.

BILDER SAGEN DEUTLICH MEHR ALS WORTE (Fotos Bernd Seydel):

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Schwierigkeiten hatte das wundervolle Stück – zumindest in der von mir gesehenen Aufführung – jedoch noch an der einen oder anderen Stelle im Schauspiel. Die Unerfahrenheit der vielfach sehr jungen Darsteller, die noch nicht totale Verinnerlichung der Rolle oder das Verpassen des richtigen Anschlusses lassen noch einigen Raum für Entwicklung. Doch wer den Perfektionismus und den Anspruch des Gothaer Ensembles kennt – und ich kenne ihn – weiß, dass hier noch weiter intensiv am Ideal des darstellenden Spiels gefeilt wird.

Das Stück ist für Groß und Klein eine kurzweilige und gefühlvolle Reise ins Theater und auf den Dachboden der eigenen Erinnerungen. Ich möchte eine wärmste Empfehlung für dieses liebevolle Theaterstück jedem auf den Ohrensessel, unter den Weihnachtsbaum oder auf den Terminplan seines Smartphones packen.

[mb]

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