EIN ZIRZENSISCHER EDELSTEIN – DER JUNGE ZIRKUS ZAPPELINI NORDHAUSEN

Er ist ein wirklicher Rubin, der junge Zirkus Zappelini aus Nordhausen. Als begeisterter Gast der vorerst letzten Vorstellung möchte ich mich heute nicht daran hindern, erneut in jene überbordende Freude und Begeisterung zu geraten, die mich am Tag der Darbietung packte, denn die Kinder und Jugendlichen, wie die kreativen Macher der Zappelinis haben Begeisterung erzeugt und gleichermaßen verdient. Und dies erlaubt mir einen ehrlichen Hymnus auf diesen Edelstein der kreativen Jugendkultur.

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[Fotos: studio44 e.V. / Fotograf M. Böttcher]

„Karfunkel, der schöne Schein“ heißt die wundervolle Zirkusshow, die seine Gäste eben nicht mit einem schönen Schein, sondern mit einem Strahlen zu blenden weiß, das sich von den 40 jungen Akteuren auf junge wie ältere Zuschauer überträgt. Das junge Ensemble schuf eine wundersame Atmosphäre in einer surrealen Fantasiewelt, die eine fein schwebende Balance aus Akrobatik, Körper- und Bildsprache entstehen ließ. Das ebenso ausgewogene Maß in der Verwendung künstlerischer Mittel, von Ausstattung, musikalischen Themen, eines detailgenauen Kostümbildes und die Komposition all dieser Teile unter einer nahezu perfekten Choreographie rahmen und stützen diese Atmosphäre und die Bild- und Formensprache der Inszenierung. Bemerkenswert ist, dass hierbei nicht ausschweifend oder gar opulent vorgegangen wurde, sondern dezidiert, punktgenau und mit einem beglückend klugen Maß. So manifestierte sich in der Art der Darbietung, dass die Arbeit von Regie und Dramaturgie in alle Bereiche der künstlerischen und artistischen Arbeit reichte bzw. von diesen Bereichen auf die Arbeit der künstlerischen Leitung zurück wirkte. Dabei war die harmonische Verknüpfung aller Bereiche der Inszenierung von Leichtigkeit und Einfachheit, doch gleichzeitig von Vollendung und Perfektion geprägt.

Dies sind gleichsam die besonderen Prädikate dieser Inszenierung. Einerseits besticht sie durch eine kniende Ehrfurcht gebietende Einfachheit. – Keulen wachsen zu Gliedmaßen spinnenhafter Wesen, wandeln sich zu Einhörnern und bieten das Mittel um aus scheinbar simplen Choreografien (ohne dass bisher auch nur eine Jonglage nötig gewesen wäre) wundervolle Bilder entstehen zu lassen. – Gleichzeitig wird darin ein so sanftes Gespür für die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen deutlich. Diese Zirkusshow wird niemals zur zirzensischen Dressurleistung an Kindern, wie man sie u.U. von Ensembles aus Osteuropa oder Asien kennt. Hier werden artistische Leistungen geboten, ohne dabei die Uniformität und Seelenlosigkeit einer synchronisierten Dressur entstehen zu lassen. Das ist so wohltuend! „Karfunkel“ ist ein Abbild des Vermögens der einzelnen Kinder und Gruppen (und da sind bereits die Purzelbäume der 4jährigen ein echtes Erlebnis) und des spielerischen Umgangs der kreativen Leitung der Zappelinis mit jedem einzelnen der Kinder und Jugendlichen. Andererseits – und das ist das wahrhaft Begeisternde – wird „Einfachheit“ so kreativ und geschickt dramaturgisch und choreografisch in Szene gesetzt, dass es den wahrhaft schönen Schein der Perfektion und Vollkommenheit entstehen lässt.

Ich bin seit diesem Nachmittag ein echter Zappelini-Fan und zutiefst beeindruckt von der Harmonie der Arbeitsweise und dem Gleichklang aus Pädagogik und Kreativität. Mein Dank an alle großen und kleinen Zappelinis für diesen Nachmittag und diese herausragende Arbeit!

[Mathias Baier]

p.s. Ja und für die, die sich Fragen was ich denn eigentlich alles gesehen habe, sei gesagt: EINFACH ALLES! (Trapezartistik, Breakdance, Jonglage, Clownerie, Sprungakrobatik, Seilbalance, Einradartistik und und und … ) Es gibt am 1.Juni noch zwei Vorstellungen im Theater Nordhausen … und mehr Infos zu den ZAPPELINIS gibt es HIER

 

3 Kommentare

  1. Würden wir gerne aber das überfordert unsere Kräfte in diesem Jahr! Aber als Geheimtipp: 1. Zirkusfestival (wenn ich bald was vom TMBWK höre) 2. Sturmfreie Bude im Theater unterm Dach im Dezember, 3. Premiere der 7. Sinn am Ostersamstag 30.3.2013

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