PLÄDOYER FÜR DAS KINDERSTÜCK. MÜHLHEIMER MEMORANDUM 2012

Seit 2007 gibt es in Mülheim an der Ruhr die „KinderStücke“. Als Wettbewerb findet das Festival seit 2010 statt: Es gibt eine Auswahl aus deutschsprachigen Uraufführungen, eine Preisjury und einen mit 10.000 Euro dotierten Preis für den Autor/die Autorin des besten deutschsprachigen Stückes für Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren. Das Festval fand vom 21.-25.05.2012 statt.

Der Mülheimer KinderStückePreis 2012 wird an JENS RASCHKE für sein Stück „Schlafen Fische?“ verliehen.

Im Zusammenhang und Ergebnis des Festivals entstand das Mühlheimer Memorandum 2012
[zusammengestellt von Professor Dr. Wolfgang Schneider, Universität Hildesheim]
  • Kinder brauchen Theater. Theater brauchen Stücke. Autoren schaffen Kinderstücke. Zur Anerkennung von literarischen Leistungen, zur Wertschätzung von Geschichten aus der Lebenswelt von Kindern und zur Förderung der Dramatik für ein junges Publikum; dafür gibt es die „KinderStücke“ im Rahmen der Mülheimer Theatertage; Wettbewerb der neuen Texte, Festival der Uraufführungen, Plattform für den künstlerischen und kulturpolitischen Diskurs.
  • Gesucht werden Texte, die bleiben, Stücke von Autoren und Stückentwicklungen von Kollektiven, die Kinder ernst nehmen, sich durch Zeitgenossenschaft auszeichnen und die Sprache des Theaters in Worten und Bildern immer wieder neu zu erfinden versuchen.
  • Künstlerische Prozesse zur Entstehung von Kinderstücken in all ihrer Komplexität zu ermöglichen, ist Auftrag der Theaterpolitik und muss im Rahmen der Kulturförderung Berücksichtigung finden. Theater werden aufgefordert, mit Autoren kontinuierlich zusammen zu arbeiten, Stückaufträge zu vergeben oder als Hausautoren zu beschäftigen.
  • Dramaturgen der Theater und Lektoren der Verlage sind die natürlichen Verbündeten der Autoren. Im Kindertheater sind es zudem Theaterpädagogen, die auch deshalb eine wichtige Rolle spielen, weil sie die Rezeptionserfahrungen aus der Theaterarbeit mit dem jungen Publikum für das Drama nutzbar machen können.
  • Gegenwärtig braucht es mehr Autoren für Kinderstücke. Deshalb bedarf es innerhalb der Curricula in den Studiengängen für Szenisches Schreiben und Dramaturgie einer stärkeren Berücksichtigung von Kindertheater und außeruniversitär qualifizierten Werkstätten mit Dramatikern und Regisseuren.
  • Die Arbeitsbedingungen der Autoren, die Vergütung ihrer Arbeit und ihre Einbindung in das Theatersystem gehören immer wieder auf die Agenda der Theaterpolitik und erfordern eine Reform der Theaterförderung.
  • Autorenförderung darf sich nicht auf singuläre Preisvergaben beschränken. Es bedarf einer konzertierten Aktion von Theaterpraxis und Kulturpolitik mit differenzierten Förderungsmaßnahmen vom Exposé über Residenzen mit Ensembles, Dramaturgien und Regisseuren bis hin zur Fort- und Weiterbildung, auch im internationalen Dramatikernetzwerk. Das Talent am dramatischen Schreiben kann nicht früh genug geweckt werden.
  • Das Kinderstück gehört in den Schulunterricht, in die Lehramtsstudiengänge, in die Theaterwissenschaft und sollte selbstverständlich Objekt der Theaterkritik sein. Das Kinderstück ist Text und Material, kann als Gesamtkunstwerk und Steinbruch genutzt werden und ist tauglich für den Monolog im Klassenzimmer und die Spielplanposition zur Weihnachtszeit. Das Kinderstück vermittelt Kindheitsbilder, gibt Auskunft über eine Generation, die sich im Wachsen befindet und antizipiert das Erwachsensein; denn im Theater für ein junges Publikum sind auch die Älteren zu Gast.
  • Die „KinderStücke“ Mülheim verpflichten sich, das Memorandum in eine konzertierte Aktion der Dramatikerförderung einzubringen und u. a. mit dem Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland die Umsetzung der Forderungen weiter zu verfolgen.

[ Quelle: www.theaterpolitik.de / weitere Informationen unter www.kinderstuecke.de ]

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