WENN ICH THEATER ERLEBEN WILL, GEHE ICH DOCH INS THEATER …

Ein persönlicher Bericht von der vergangenen Bundesversammlung des BDAT am 16. und 17. März in Berlin

Wenn ich Theater erleben will, gehe ich doch ins Theater. Oder? Sicher, da hat man schon die Auswahl: Staatstheater, freies Theater, Amateurtheater, Straßentheater, … in jedem Fall gehe ich dazu nicht zum Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) oder dessen Landesverbänden. Die muss ich ja nicht mal kennen. Selbst wenn ich in einem Amateurtheater mitspiele, muss ich das doch nicht, oder? Wozu gibt es die denn überhaupt? Gilt vielleicht: Verein sein ist schön? Fragen, die sich ein Verband naturgemäß eher selten stellt, zumal wenn es ihn schon lange Zeit gibt. Aber gerade dann kann es doch mal ganz gut sein, die eigene Existenzberechtigung neu zu hinterfragen.

Der BDAT existiert schon ziemlich lange, und bei seinem diesjährigen „Treffen der Verbände“ (womit hauptsächlich die Landesverbände gemeint sind) am 16./17. März in Berlin stellte er sich dieser Problematik. Statt vor großem Plenum altbekannte Statements ohne große Überzeugungskraft austauschen zu lassen, gab es ein „World Café“: Ich erhalte – wie alle anderen auch – einen individuell ausgewürfelten „Fahrplan“, der mich nacheinander an alle fünf Tische im Raum führt. An jedem der Tische sitzt ein Moderator mit zugespitzten Thesen und Fragen zu einem thematischen Akzent; bei jedem Wechsel mischen sich etwa zehnköpfige Gruppen an den Tischen neu zusammen. So kommt jeder zu allem zu Wort und vieles zu Tage, gemeinsam wird aufs Papiertischtuch notiert, und ganz am Ende ergibt sich so ein vielseitiges und zugleich repräsentatives Meinungsbild, durchaus mit kleinen Überraschungen und klugen Gedanken. Das ist nicht nur unterhaltsam. Ich lerne viele Theaterschaffende aus allen Ecken des Landes kennen, erfahre eine Menge Wissens- und Nachdenkenswertes. Meinungsdifferenzen vertiefen den Blick, machen auf Sackgassen und Irrwege der Verbandsarbeit aufmerksam. In unverkrampften, aber zugleich zielorientierten Gesprächsrunden bestätigt sich nicht nur nahe Liegendes: Ob auf Gebieten wie Versicherungs- und Urheberrechte, GEMA, Künstlersozialkasse, Versammlungsstättengesetz und Förderung oder in Bezug auf das fachliche Know-how als Darsteller, Spielleiter, Techniker: es braucht gebündelte Kompetenz – gerade auch für junge Gruppen oder solche mit großer Fluktuation.

Ich habe bei der Gründung unserer Studentenbühne 1994 die großartige Anschubhilfe aus dem damaligen Thüringer Amateurtheaterverband und von Theaterpädagogen sehr zu schätzen gelernt. Weiterbildungskurse und Workshops können gerade die Gruppen, die es am nötigsten haben, nicht selbst schultern – weder organisatorisch noch wirtschaftlich. Die Angebote funktionieren nur landes- oder bundesweit. Auch Erfahrungsaustausch und Kontakte der Gruppen untereinander oder ins Ausland lassen sich natürlich leichter ermöglichen, wenn es dafür schon passende Strukturen gibt. Und ohne Lobby, die an entsprechender Stelle deutlich macht, wie essenziell sozial reflektierende und kulturell bildende Betätigungsmöglichkeiten für das Funktionieren der Demokratie und der Gesellschaft inklusive Wirtschaft sind, würde immer weiter an der Kultur gespart, um z. B. Not leidende Spekulanten zu retten.

Für die Amateurgruppen (und in Thüringen ebenso für die freien Bühnen) sind die jeweiligen Landesverbände Ansprechpartner, Mentoren, Koordinations- und Informationsbörsen, organisieren Weiterbildungskurse und leisten Lobbyarbeit auf Landesebene. Sie sind letztlich eine Solidargemeinschaft der Gruppen. Der BDAT hat Analoges für die Landesverbände auf Bundesebene zu leisten.

So bleiben als erstes Fazit: Als besonders wichtig wird der unmittelbare persönliche Kontakt zwischen (Landes-) Vorstand und Mitgliedsbühnen eingeschätzt, z. B. in Form von Premieren- und Gremienbesuchen. All das ist aber durch rein ehrenamtliche Vorstände immer weniger zu leisten. Andererseits sollen keine sich verselbständigenden Wasserköpfe entstehen. Insbesondere unnötige Doppelstrukturen zwischen den Verbandsebenen wären tunlichst zu vermeiden … (Bestandsaufnahme und Fortsetzung folgen spätestens bei der nächsten Zusammenkunft der Landesverbände im BDAT).
Kay Gürtzig

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