Das Kuscheltier heißt Olaf…

Stunts, Action, Film, Performance und vieles mehr, alles was das Theaterherz begehrt. – Das konnte man an unserem Fachtag am 30. Oktober in Erfurt erleben.

Zunächst durfte ich mich um den Einlass der bereits angemeldeten Teilnehmer kümmern. Eine recht stressige und chaotische Angelegenheit, da natürlich alle Teilnehmer zum gleichen Zeitpunkt erschienen. Dennoch war die Anmeldeliste zu Beginn der Veranstaltung noch nicht vollständig, sodass ich während des schon laufenden Impulsvortrags die typischen Nachzügler („Hat die Veranstaltung schon begonnen?“) in Empfang nahm.

Diskutierend und nachdenklich verließen später die Teilnehmer die Aula nach dem 45minütigen Vortrag von Prof. Hanne Seitz. Und schon begannen die Workshops: Video-Performance, Techniken im waffenlosen Bühnenkampf, Tänzerische Bewegungsstudien und Szenenmaschine.

Ich war im Workshop Szenenmaschine – inspirieren, probieren, gestalten. Maik Pevestorff, der Workshopleiter, ist freiberuflicher Autor und Theatermacher in Jena. Der Workshopbeschreibung zufolge, sollte es vor allem darum gehen, eigene Szenen durch Improvisieren und Probieren zu gestalten im Hinblick auf Kombinationen von Beispielsweise Bild und Text oder Text und Geräusch. Doch eine genaue Vorstellung, wie das ganze Prozedere ablaufen sollte, hatte ich nicht.

In einer kurzen Willkommensrunde, stellten alle Teilnehmer sich selbst und deren mitgebrachten Materialien vor. Diese waren Artikel, Geräusche, Fotos, Lieder, Texte, usw. die sie beschäftigten.

„Das Kuscheltier heißt Olaf und gehört meinen Kindern. Es hat schon ziemlich unter allen Streicheleinheiten gelitten. Zur Zeit gehört es mir, da meine Kinder im Ausland sind.“

„Ich habe ein Kirschbonbon mitgebracht. Es ist das erste Geschenk, welches mein dreijähriger Sohn mir heute Morgen gemacht hat.“

„Der Apfel steht dafür, dass ich mich gesünder ernähren soll – leider liebe ich Süßigkeiten“

Nach der Vorstellungsrunde versuchten wir die Materialien nach Gemeinsamkeiten zu sortieren, den einzelnen Stapeln Überschriften zu geben, welche Qualitäten und Eigenschaften die Materialien aufweisen könnten und mit welchen Orten wir diese verbinden würden. Die Ergebnisse hielten wir auf Plakaten fest – die wichtigsten Stichpunkte schrieben wir auf große Karten, die in die darauf folgende Lockerungsübung eingebaut wurden.

Auf einem großen Tisch lagen Karten mit Adjektiven, Nomen, Verben und Theaterbegriffen. An diesem so genannten „Mischpult“ durfte sich dann ein Teilnehmer nach dem anderen austoben, indem man dem Rest der Gruppe Anweisungen gab unter Berücksichtigung der Karten: „Bewegt euch in Tempo 1 von 10 und grüßt die anderen ganz traurig… Stellt euch anschließend in einer Reihe im hinteren Teil des Raumes auf und lauft in einem lustigen Catwalk Richtung Publikum. Vorne angekommen brüllt ihr das Publikum wütend an!“ Angestrengt führte die Gruppe alle Anweisungen aus, allerdings fand ich es schwer ernst zu bleiben, als ich selbst am Mischpult stand, da das gesamte Gruppenbild von Außen betrachtet sehr lustig aussah.

Nachdem jeder sich am Mischpult austesten durfte, ging es an das spezifischere Arbeiten. Eine kleine Gruppe beschäftigte sich mit dem Mikrofon und erarbeitete verschiedene Techniken Texte vorzutragen, eine andere Gruppe stellte durch sämtliche Klangkörper eine Geschichte dar, während die dritte Gruppe sich um die Kombination von Text und Performance kümmerte. Zwischendurch gaben sich alle Gruppen ein gegenseitiges Feedback zu dem jeweiligen Ergebnis. Besonders begeistert hat mich das Ergebnis der Gruppe, die sich mit den verschiedensten Klangkörpern beschäftigten. Eine Geschichte aus den Tönen von Gieskannen, Gläsern, Besteck, Töpfen und Kartons gestalten zu können, gebraucht definitiv ein hohes Maß an Kreativität.

Gegen Ende des Workshops gab es eine letzte Feedbackrunde an den gesamten Workshop und den Workshopleiter. Ich habe viele schöne Erfahrungen im Bereich Text und Performance gesammelt. Die Feedbackrunde fiel allerdings etwas knapper aus, da der Tag sehr lang (10:00 – 18:00 Uhr) und Kraft und Motivation zur Zielankunft ein wenig auf der Strecke blieben.

In der Aula, in der sich alle Teilnehmer des Fachtages zum Abschluss erneut trafen, konnten die Ergebnisse der Workshops kurz vorgestellt werden.

Rasant ging es hier vor allem bei der kleinen Show der Teilnehmer des waffenlosen Bühnenkampfes zu. Schreien, boxen, hinfallen, an den Haaren ziehen, sich wehren. Die Techniken der Kampfchoreografin Katrin Klewitz wurden beeindruckend umgesetzt. Auch die Videos aus dem Video-Performance-Workshop unter der Leitung von Mila Burghardt gefielen mir sehr gut. Schade nur, dass es keine Vorstellung der Tänzerischen Bewegungsstudien gab, doch die Erzählungen aus dem Workshop klangen ebenfalls sehr spannend!

Ich denke, dass jeder Teilnehmer neue Einflüsse, Inspirationen und Erfahrungen mit nach Hause nahm. In meinem Workshop waren sämtliche SpielleiterInnen, TheaterlehrerInnen und SozialpädagogInnen so begeistert von den Übungen, dass sie einige Texte, Ideen und Spiele, die Maik Pevestorff verwendete, ebenfalls ihren eigenen Gruppen zeigen wollten. Mir hat es auch sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich auf den nächsten Fachtag des Thüringer Theaterverbandes.

FIONA HOFFMANN

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