Wildwechsel V- Was das Nashorn sah…

„Was das Nashorn sah als es auf die andere Seite des Zaunes schaute“ wird in der gleichnamigen Gastgeberinszenierung des jungen DNT erzählt. Das Stück handelt von den Beobachtungen der Tiere des Zoo’s neben dem Konzentrationslager Buchenwald.

Ein neuer Bär wird in den Zoo gepfercht und muss sich plötzlich zwischen Murmeltieren, Pavianen und Mufflons zurechtfinden. Doch ist das nicht der einzige Umstand, mit dem der Neuankömmling fremdelt. Neben den lärmenden, gaffenden Kindern auf der einen Seite außerhalb des Zaunes, gibt es noch eine zweite Sorte Kinder, die er nicht so recht zuzuordnen vermag. Sie sind zermürbt, abgemagert, laufen geduckt und haben gestreifte Kleider an. Und dann ist da noch dieser riesige Schornstein aus dem Massen an fürchterlich stinkendem Qualm steigen. Die Tiere des Zoo’s fragen sich ob der Rauch der Grund dafür ist, dass alle Vögel aus dem Wald verschwunden sind.

Nashorn_32 Foto_Susann Jehnichen
[foto: susann jehnichen]
Das Theaterstück stellt sich der großen Herausforderung ein sehr ernstes Thema, einem sehr jungen Publikum näher zu bringen. Zu Beginn kommt die Inszenierung noch recht fröhlich und sorglos daher, die unheilvollen Untertöne lassen jedoch nicht lange auf sich warten. Aus der unschuldigen Perspektive der Zootiere erlebt man grauenvolle Momente mit. Dass sich, bis auf den Bären, kein Tier weiter Gedanken um die Gewalt und den beißend Gestank machen will, spiegelt das kollektive Wegschauen der Menschen zu dieser Zeit. Ohne ein wenig Vorwissen ist diese Referenz und andere Sinnbilder jedoch schwer zu verstehen. Aufgrund dessen und einiger sehr trauriger, gruseliger Szenen ist dieses Stück nicht wirklich für unsere Allerjüngsten geeignet, jedoch sicherlich empfehlenswert.

Die kontrastreiche Darstellung von harmlosen, schrecklichen aber auch lustigen Ereignissen schafft sehr stimmungsvolle Momente in denen im Publikum eine beeindruckende Anspannung herrschte. Die Atmosphäre allgemein ist stimmig und ruft nicht selten ein unangenehmes Gefühl der Beklommenheit hervor. Neben dem kreativen Bühnenbild kamen nicht viele Requisiten zum Einsatz. Das lässt viel Projektionsfläche für die eigene Fantasie.

Die Herausforderung Kindern ein todernstes Thema zu vermitteln wurde wahrscheinlich selten so gut gemeistert. Absolut empfehlenswert! Auch für das erwachsene Publikum.

[felix schölzel]

 

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