Rückblick I – 22. Treff: Junges Theater – Liebe Jelena Sergejewna

[tilmann graner]
[tilmann graner]
Mit der Inszenierung von „Liebe Jelena Sergejewna“ lieferte der Theaterjugendclub des Theaters Nordhausen, in diesem Jahr das Eröffnungsstück des 22. Treffs „Junges Theater“ in Thüringen (vom 15. bis 18.10.2015 im Theater „die SCHOTTE“ in Erfurt).

Jelena Sergejewna ist eine beliebte Lehrerin an ihrer Schule. Das versichern ihr auch vier ihrer Schüler, welche ohne Vorwarnung eines Abends vor ihrer Haustür stehen. Die junge Lehrerin hat Geburtstag. Überschwänglich und Überfreundlich überbringen die Vier ihre Glückwünsche und präsentieren ihrer Lehrkraft sogar ein teures Geschenk. Zunächst hocherfreut aber etwas verwirrt, bittet Frau Sergejewna ihre Schüler herein. Sie machen es sich im Wohnzimmer bequem, trinken Tee, hören Musik und essen Kuchen. Die Stimmung ist gut. Bis die Schüler den eigentlichen Grund ihres Besuchs offenbaren. (Ein Motiv, dass mit der Tatsache im Zusammenhang steht, dass die Lehrerin sich im Besitz des Schlüssels zum Tresor befindet, in dem ihre kürzlich geschriebenen Abiturprüfungen liegen…)

Was dem Zuschauer als Erstes ins Auge springt, ist die enorme Vielfalt der angeschnittenen Themen: Bildung, Leistungsgesellschaft, Humanismus, freie Marktwirtschaft. Aktuell ist die Inszenierung somit nicht nur in ihren Inhalten, sondern auch in ihrem Rollenbild. Vom feinzüngigen, rücksichtslosen Überflieger, über die Berechnende, welche von reichen Männern profitiert bis hin zu den angehenden Alkoholikern und Mitläufern, reicht die Vielfalt der Stereotypen. Diese Rollen und Klischees werden jedoch nicht überstrapaziert oder überspielt. Das macht es dem hauptsächlich jungen Publikum sehr leicht, sich mit mindestens einer der fünf Figuren auf der Bühne zu identifizieren. Der ein oder andere Abiturient wird sich ohne Zweifel als einer, der vom Schulsystem in soziale Ecken getriebenen, Jugendlichen wieder erkennen.

Die Aufführung überzeugt durch seine talentierten, jungen Darsteller, durch den guten Einsatz von Musik und mit sehr frischen Texten. Auch das Bühnenbild ist gelungen, auch wenn es Momente gibt, in denen die Raumaufteilung nicht klar ist. Ein wenig deutlicher könnte auch der Einsatz von Licht sein, welcher dem ungeübten Theaterbesucher beinahe gar nicht auffällt.

Insgesamt handelt es sich um ein tolles Stück konventionellen Theaters von Jugendlichen für Jugendliche, welches sich nah am Puls der Zeit bewegt und noch eine ganze Weile nach der Aufführung im Gedächtnis bleibt.

[felix schölzel]

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