Rückblick IV – 22. Treff: Junges Theater – Antigone

Die meisten Jugendlichen dürften „Antigone“ aus dem Unterricht kennen. „Die SCHOTTE. das Theater, Erfurt“ bringt den Klassiker in einer sehr originaltexttreuen Fassung wieder auf die Bühne.

Der Schauplatz der Geschichte ist die Stadt Theben. Antigone ist eines der vier Kinder von Ödipus und Iokaste. Nach dem Kampf um die Krone, in dem Antigones Brüder Polyneikos und Eteokles ums Leben kommen, wird Kreon, der Bruder ihrer Mutter, der neuer Herrscher der Stadt. Nun sind nur noch Antigone und ihre Schwester Ismene am Leben. Kreon verwehrt Polyneikos ein Begräbnis, weil dieser gegen die Stadt Theben in die Schlacht zog. Antigone hingegen will den Gesetzen der Götter folgen und ihren Bruder dennoch beerdigen. Als Kreon das erfährt, lässt er Antigone lebendig einmauern. Haimon, welcher nicht nur Kreons Sohn sondern auch Antigones Verlobte ist, begeht darauf hin Selbstmord. Kreons Gemahlin Eurydike tut es ihm kurzerhand nach.

Ein wenig Schwung in diese insbesondere auf junge Menschen sehr eingestaubt wirkende Handlung zu bringen, ist eine echte Herausforderung. Gut wenn man dafür eine sehr große Gruppe motivierter, junger Schauspieler hat. Der größte Teil der Darsteller ist Mitglied des Chores, welcher im Buch nicht unbedingt eine Schlüsselrolle einnimmt, wohl aber in dieser Inszenierung. Er wechselt nicht nur ständig die Perspektive, sondern ist auch wichtigstes spielerisches Mittel des Stückes. Mit bloßer Präsenz, rhythmischen Stampf- und Ausdruckseinlagen, Tänzen oder einfach nur mit ihren Stimmen und Blicken, schafft der Chor eindrucksvolle Atmosphären. Untermalt mit toller Musik und mit einer nahezu perfekten Synchronität, sorgt der er dafür, dass „Antigone“ eindeutig das bildgewaltigste Stück dieses Theatertreffs darstellte. Diese darstellerische Bildgewalt wird allein mit einem minimalistische Bühnenbild und eine stark und dezidiert eingesetzte Beleuchtung flankiert, welche gerade bei der Inszenierung des Chores eine wichtige Rolle spielt.

Irgendwie gelingt es den ausdrucksstarken Schauspieler und der Inszenierung die scheinbare Ödnis der uralten Textvorlage aufzuwerten und auch das junge Publikum zu fesseln. Als Darsteller stechen besonders Kreon und Ismene heraus. Kreon, weil die Rolle einfach überragend gespielt wird. Ismene, weil sie ebenso hervorragend gespielt wird, sich jedoch auch durch ein übermäßiges und -strapaziertes Heulen von den anderen Figuren abhebt.

Am Ende kann man sagen: Herausforderung bestanden. Ein Geheimtipp für jede/n Deutschlehrer/in und ein spannendes, unterhaltsames Stück Theater.

[lutz edelhoff]
[felix schölzel]

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